Ganz hoch hinaus: Mit dem Heißluftballon und zu Fuß

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Ganz hoch hinaus: Auf zum Ramolhaus und einer HängebrückGanz am Ende des Ötztals, bei Obergurgl, wartet eine luftige Überraschung: Eine riesige Hängebrücke führt über das Gebiet des leider schon ziemlich abgetauten Gurgler Ferners. Hier musste 1931 der Ballon von Stratosphären-Forscher Auguste Piccard notlanden. Das hochalpine Gebiet kann man auf einer Zwei-Tages-Tour erkunden.

Hängebrücke bei Obergurgel
Diese lange Hängebrücke führt über eine Schlucht bei Obergurgel. Hier landete einst Piccard mit seinem Ballon.

Die Geschichte von Piccard hat mich schon immer fasziniert: Er stieg mit einem Ballon über zehn Kilometer in die Höhe und führte im „zweiten Stockwerk“ der Erdatmosphäre Messungen durch. Im Mai 1931 war er mit seinem Assistenten, dem Ingenieur Paul Kipfer, von Augsburg aus gestartet.

Expedition mit Hindernissen

Allerdings war in der Expedition von Anfang der Wurm drin: Helfer hatten etwas zu viel Gas in den Ballon gefüllt. Er schoss deshalb blitzschnell in die Höhe und driftete gen Süden. Gas abzulassen, war den beiden Forschern, die sich in eine rund zwei Quadratmeter kleine Kapsel aus Aluminium gequetscht hatten, nicht möglich: Eine Leine hatte sich verheddert. Und dummerweise hatten die beiden Männer im Trubel des Starts vergessen, ihre Wasserflaschen mit an Bord zu nehmen. Bei hohen Temperaturen blieb ihnen nichts anderes übrig, als Kondenswasser von den Wänden zu schlecken. Aber immerhin: Piccard und Kipfer erreichten die Stratosphäre und stellten mit einem Flug in 16.000 Metern einen Höhenweltrekord auf.

Gurgler Ferner
Der Gurgler Ferner ist in den vergangenen Jahrzehnten massiv zurückgegangen. Aber immer noch schön anzusehen.

Nach 17 Stunden sanken die Temperaturen und damit auch der manövrierunfähige Ballon. Schließlich landeten die Forscher mit ihrer Kapsel ziemlich unsanft auf einem Gletscher im hintersten Ötztal. Bewohner aus dem damals noch ziemlich verschlafenen Weiler Obergurgl hatten den gelben Ballon gesehen. Am nächsten Morgen machte sich ein Rettungstrupp zum Gletscher auf. Piccard und Kipfer kamen den Helfern aber bereits auf dem Gletscher entgegen. Sie hatten sich selbst aus der Kapsel befreien können.

Das Ramolhaus liegt auf 3006 Meter

Rund um diesen geschichtsträchtigen Ort habe ich eine Wanderung gemacht, die mit einer Übernachtung auf dem Ramolhaus zu einer mittelschweren Zwei-Tages-Runde in hochalpiner Umgebung wird.

Zeit lassen: Es geht auf über 3000 Meter!

Von Obergurgel steigt man in gut vier Stunden die gut 1000 Höhenmeter zur Hütte auf 3006 Metern auf. Wer nicht so oft im Hochgebirge unterwegs ist, sollte sich Zeit lassen und langsam an die Höhe gewöhnen.

Der Weg zum Ramolhaus
Es wird zeitweise ganz schön steil – deshalb sollte man sich auf dem Weg zum Ramolhaus auch Zeit lassen.

Der Ramolweg führt erst mäßig steil über Almwiesen. Es bleibt genug Zeit und Luft, Schafe vor dem Hochgebirgspanorama, Wildbäche oder das hübsch auf einem Felsen thronende Ramolhaus zu fotografieren. Kurz vor dem Tagesziel wird es noch einmal richtig anstrengend: Ein steiler, steiniger Steig führt die letzten 250 Höhenmeter zur Hütte hinauf.

In den  Stuben lodert ein wärmendes Feuer im Kachelofen und Hüttenwirt Martin Mraz serviert ein dreigängiges Menü und gute Laune.

Oben angekommen, wird man mit einem großartigen Rundumblick auf eisbedeckte Gipfel und den Gurgler Ferner belohnt. Und auch sonst ist das Schutzhaus der Alpenvereinssektion Hamburg ein Ort, an dem man es durchaus einige Zeit aushält: Schlaf- und Waschräume sind frisch renoviert. In den beiden gemütlichen Stuben lodert ein wärmendes Feuer im Kachelofen und Hüttenwirt Martin Mraz serviert zum Abendessen ein dreigängiges Menü und gute Laune.

Beliebte Hochtourenziele

Am nächsten Morgen ziehen in der Dämmerung zunächst Seilschaften mit Eispickeln und Steigeisen am Rucksack los: Rund um die Hütte liegen beliebte Hochtourenziele, etwa der 3537 Meter hohe und vergletscherte Schalfkogel. Normale Wanderer können noch eine Runde weiterschlafen und dann ganz in Ruhe das Frühstücksbuffet plündern.

Tolle Landschaft bei Obergurgl

Für den zweiten Tourentag muss man wieder mindestens vier Stunden einplanen. Der Weg führt zunächst auf einem schmalen Bergsteig abwärts. Dann kraxelt man mit Hilfe von Stahlseilen und eisernen Trittstufen steile Felsen hinab.

Wackelige Angelegenheit 100 Meter über der Schlucht

Dort wo Alpinisten früher die Ausläufer des Gurgler Ferners querten ist nur noch Geröll und ein reißender Bach. Hier wurde 2017 eine 140 Meter lange Stahlhängebrücke gebaut, die ein sicheres Queren ermöglicht. In rund 100 Metern Höhe führt die Konstruktion über die Schlucht. Und von hier ist auch der Landeplatz von Piccard, einige hundert Meter oberhalb, zu sehen.

Die Langtalereck-Hütte
Von der Langtalereck-Hütte kann man die Tour der letzten beiden Tage nochmal anschauen.

Erneut über Felsstufen und später einen alpinen aber gut zu begehenden Steig führt der Weg weiter zur Langtalereckhütte. Von dort ist der Abstieg nach Obergurgel nur noch ein Spaziergang.

Wichtig zu wissen:

Die Wanderung ist eine hochalpine Tour und erfordert gute Kondition, Trittsicherheit und gute Ausrüstung. Ich habe euch eine Packliste zusammengestellt.

Alpenvereinskarte Blatt 30/1 Ötztaler Alpen – Gurgl (1:25.000)

Übernachten könnt ihr im Ramolhaus – eine Reservierung ist derzeit obligatorisch.

Unterkünfte und viele andere tolle Touren und Ausflüge vermittelt euch Ötztal Tourismus.

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