Allegra! Langlaufen im Val Müstair

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Lange Schlangen an der Seilbahn, Gedränge auf der Hütte und beim Aprés Ski: Darauf habe ich nach Corona wirklich keine Lust. Deshalb bin ich ins ruhige Val Müstair in Graubünden gefahren. Ich war von der Ruhe und Herzlichkeit der Gastgeber begeistert und habe tolle Langlauf-Loipen und Winterwanderwege genossen. „Allegra!“ lautet hier die Begrüßung.

Die Sonne scheint häufig und die Auswahl an Lopen ist großartig: Im Val Müstair werden Langlauf-Fans glücklich.

Nach einer langen Bahn- und Busfahrt knipse ich die Stirnlampe aus und stehe in völliger Finsternis und Stille. Nach wenigen Sekunden haben sich meine Augen an die Dunkelheit gewöhnt. Tausende Sterne funkeln am Firmament. Sogar die Milchstraße ist deutlich zu erkennen. Die Gegend um den kleinen Ort Lü im Graubündener Val Müstair  ist der dunkelste Ort der Schweiz. Die nächsten Städte sind weit weg und die Berge schirmen zusätzlich Licht ab. Bei einer gemütlichen und unschwierigen Nachtwanderung zur Alp Champatsch genieße ich dieses unvergleichliche Naturerlebnis.

Auf der Hütte haben meine Begleiter und ich ein Käsefondue bestellt. Und das schmeckt in der urigen Stube und nach der langen Reise und dem etwa einstündigen Aufstieg durch Dunkelheit und Kälte noch besser, als Käsefondue überhaupt schmeckt! Für den Rückweg haben leihen wir uns Schlitten und sausen juchzend bis ganz hinunter ins Tal nach Tschierv.

Dort will ich nach einer Nacht im sehr netten und familiengeführten Hotel Al Rom einige Tage die Langlaufloipen testen. Über 80 Kilometer Winterwanderwege und Loipen hat die Talgemeinde präpariert und ausgeschildert, hat mir die hilfsbereite und herzliche Lucia Ruinatscha von der Tourismusinformation Val Müstair verraten.

Keine Straßen, keine Strommasten, keine Hotelburgen: im Val Müstair kann man so richtig runterkommen.

Riesige Loipen-Auswahl

Die Touren sind vielfältig, sowohl in Hinblick auf den Anspruch als auch die Aussicht. Sowohl an Skater, als auch an Fans von klassischem Langlauf wurde gedacht. Von der Höhenloipe, die im kleinen Skigebiet Minschuns auf 2200 Meter startet, und von der Panoramaloipe bei Lü auf 2000 Metern, kann man die Bündener und Südtiroler Gipfelwelt bestaunen.

Variantenreich ist die Talloipe Tschierv-Fuldera, die durch Wälder, kleine Dörfer und liebliche Hochtäler führt. Hier sind viele Genussfahrer unterwegs, die nach der Tour im neuen Langlaufzentrum bei Fuldera ihre Energiereserven mit einem Stück hausgemachtem Kuchen oder einer Bündener Gerstensuppe auffüllen.

Das Tal punktet meiner Meinung nach vor allem mit Ruhe, wunderschöner Landschaft und intakter Natur. Keine Hochspannungsmasten, keine Seilbahnen, keine Schnellstraßen oder Bettenburgen sind zu sehen, kein Zivilisationslärm zu hören. „Wir sind ein Ort, an dem man zur Ruhe kommen kann“, sagt David Spinnler, Direktor des Naturparks Biosphera Val Müstair.  Das kann ich bestätigen! Ich habe selten so tief und gut geschlafen.

80 Prozent der lokalen Landwirte arbeiten rein biologisch, es wird viel im Tal direkt weiterverarbeitet und vermarktet.

David Spinnler, Direktor des Naturparks Biosphera Val Müstair

Gemeinsam mit dem Schweizerischen Nationalpark und Teilen der Gemeinde Scuol bildet der Naturpark das erste hochalpine UNESCO Biosphärenreservat der Schweiz. Den Initiatoren geht es dabei nicht nur um den Schutz der Berge. Das finde ich besonders spannend:  Kulturlandschaft und Traditionen sollen erhalten werden, die Bewohner finden im Tal Arbeit und Auskommen. Das klappt laut David Spinnler sehr gut: „80 Prozent der lokalen Landwirte arbeiten rein biologisch, es wird viel im Tal direkt weiterverarbeitet und vermarktet. Wir haben eine eigene Käserei gegründet, um die Milch vor Ort zu verarbeiten. Viele Gastbetriebe beziehen Produkte von Lieferanden aus dem Tal.“

Nachdem mir die Wirtsleute vom Landgastof Staila von den Schneeschuh- und Skitouren vor Ort vorgeschwärmt haben, will ich auf jeden Fall nochmal wiederkommen. Sie bieten im Winter einwöchige Arrangements mit geführten Touren an – und natürlich einem abendlichen Menü mit Spezialitäten aus dem Tal.

Problemlos unterwegs mit Bus und Bahn

Ich bin mit der Bahn und Bus angereist – das war trotz einiger Umstiege gut machbar, da ich die Ausrüstung vor Ort geliehen habe. Im Tal fahren wie überall in der Schweiz PostAuto-Busse in dichter Taktung und stets pünktlich ins abgelegenste Dorf – und das für Talgäste kostenlos.


Anreise: Per Auto in knapp sechs Stunden über Fern- und Reschenpass, ca. 450 Kilometer oder mit Zug und Bus in 7,5 Stunden mit mehreren Umstiegen über Landquart und Zernez nach Tschierv oder Müstair

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