Voll verpeilt: Klettertour auf die Verpeilspitze

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Achtung! Die Besteigung der Verpeilspitze im Naturpark Kaunergrat ist nichts für schwache Nerven und Berganfänger – aber ein tolles Abenteuer.

Sieht bei schlechtem Wetter nicht unbedingt einladend aus – ist sie dann auch nicht: Die Verpeilspitze.

Sie sei „ein formschöner, zarter, mit Eisbändern verzierter Felsbau, dem ein neckisches Häubchen aufgesetzt erscheint“ schwärmt ein über 50 Jahre alter Bericht in einer Bergsteigerzeitung über die über 3400 Meter hohe Verpeilspitze. Mit verpeilt im Sinne von verwirrt hat der Name jedenfalls nichts zu tun. Der Name kommt aus dem Rätoromanischen und meint, dass der Berg etwas versteckt liegt.

Nachtquartier auf der Kaunergrathütte

Das kann ich an einem Tag Ende August auf dem Weg zum Nachtquartier auf der Kaunergrathütte bestätigen.

Gemütliche Schutzhütte im wilden Kaunergrat: Die Kaunergrathütte auf 2817 Metern Höhe.

Auf dem sehr schönen, etwa vierstündigen und rund 1200 Höhenmeter hohen Hüttenzustieg von Plangeroß (1617 m) trifft unsere kleine Seilschaft keinen einzigen anderen Menschen. Die Bergeinsamkeit hat aber womöglich andere Gründe: Über Nacht hat ein Tiefdruckgebiet und ein Temperatursturz den heißen Sommer in den Alpen jäh beendet: Minus fünf Grad zeigt das Thermometer auf der Hüttenterrasse auf über 2800 Metern. Der Schnee liegt knöchelhoch, der Kräutergarten der Hüttenwirtin ist mit einer Eisschicht überzogen.

Abendstimmung vor der Kaunergrathütte.

Wir wagen am nächsten Morgen trotzdem den Aufstieg auf die Verpeilspitze. Auf einem kleinen Pfad geht es zunächst gemächlich bergan. Aber nach einer guten halben Stunde endet der Weg: Felsblöcke zwischen Kindskopf- und Kleinwagengröße liegen wild durcheinander, teilweise sind sie vereist, teilweise mit Schnee bedeckt. Löcher zwischen den Steinen sind zugeschneit. Der Weg wird zu einem Taumeln über wackelige und rutschige Felsblöcke. Immer wieder muss ich mit den Armen rudernd das Gleichgewicht finden.

Volle Kletterausrüstung ist für den Gipfelsturm gefragt.

Volle Konzentration ist auch einige hundert Meter weiter notwendig: Ein steiles Schneefeld und eine Bergflanke mit losem Geröll müssen sturzfrei gequert werden. Bei einer unfreiwilligen Rutschpartie ginge es viele Meter steil nach unten.

Klettergurt, Seil und Helm sind Pflicht!

Bald steht unsere Seilschaft vor einer steilen Felsrinne: Jetzt brauchen wir Klettergurte und Helme. In unserer Fränkischen Schweiz mit ihren festen Kalksteinfelsen wäre das eine reine Genusstour, aber auf 3000 Metern und bei winterlichen Verhältnissen wird die Kletterei echt zur Plackerei.

Der Adrenalinspiegel steigt: Der Gipfelaufbau der Verpeilspitze ist ordentlich zugeschneit.

Viele Steinblöcke sind von einer Eisschicht überzogen, am Boden und auf Absätzen liegt Schnee, darunter lauern unsichtbare Eisplatten. Das Gestein ist lose, der Gipfelaufbau gleicht einem Schutthaufen. Kaum ein Schritt hält auf diesem Untergrund. Zigmal rutschen die Füße weg, die blauen Flecken, die man sich dabei holt, bemerkt man dank des hohen Adrenalinspiegels noch nicht.

Eisiger Wind am Gipfel

Die Kletterei macht dennoch Seillänge um Seillänge immer mehr Spaß. Nach gut drei Stunden stehen wir vor dem hölzernen Gipfelkreuz. Eine gemütliche Gipfelrast ist jedoch nicht möglich, denn eisiger Wind pfeift, und unter dem Kreuz ist so wenig Platz, dass man sich für die Fotos anseilen muss, um nicht abzustürzen. Ein paar Schlucke aus der Thermoskanne, dann geht es – immer gut gesichert  – wieder abwärts.

Hölzerne Wegweiser markieren den Zustieg.

Schneller als gedacht haben wir den Fuß des Gipfels erreicht. Das Kletterequipment wird wieder im Rucksack verstaut. Zum Abschluss kommt dann noch eine rasante Rutschpartie. Auf einem Schneefeld fahren wir auf den Schuhsohlen und dem Hosenboden unter Gejauchze in Richtung Hütte ab. Dort wartet schon eine heiße Suppe.

So sieht der Tiefblick vom Cottbusser Höhenweg ins Pitztal aus.

Weil es uns auf der gut geführten und gemütlichen Kaunergrathütte so gut gefällt und das Wetter besser wird, steigen wir nicht gleich wieder zum Talort Plangeroß (1617 m) im Pitztal ab, sondern wählen am nächsten Tag eine weitere aussichtsreiche Tour mit einer kleinen Kletterpassage: Über den Cottbusser Höhenweg wandern wir in rund vier Stunden zum Rifflsee auf etwa 2250 Metern.

Auch am Rifflsee liegen noch Schneereste. Das Floß nimmt uns trotzdem mit.

Dort buchen wir die dortige Sommer-Attraktion: Eine Floßfahrt über den Bergsee: Herrlich entschleunigend – und interessant: Der Kapitän kennt sich in der Pitztaler Bergwelt hervorragend aus und unterhält uns mit Pitztaler Charme und vielen Fakten rund um Geologie und Biologie. So gechillt verzichten wir schließlich auf den steilen Abstieg nach Mandarfen (1675 m) und nehmen die Bergbahn und schließlich den Bus zurück nach Plangeroß.

Das solltet ihr wissen:

Die Besteigung der Verpeilspitze ist eine hochalpine Tour bei der man einige Klettererfahrung und Kondition mitbringen sollte. Und wenn die Wetterbedingungen nicht optimal sind, wird es abenteuerlich.

Zustieg zur Kaunergrathütte von Plangeroß: ca. 3 Stunden, 1200 Höhenmeter. Aufstieg zur Verpeilspitze: ca. 3 Stunden, 600 Höhenmeter. Übergang zum Rifflsee über den Cottbusser Höhenweg: 3 bis 4 Stunden

Übernachten: Die Kaunergrathütte ist nicht nur sehr gemütlich, die Hüttenwirte servieren auch tolle Spezialitäten, wie zum Beispiel Knödel in verschiedenen Variationen.

Im Pitztal gibt es zahlreiche Hotels, Pensionen und Privatzimmer. Die Touristinfo hilft gerne bei der Suche nach einer angemessenen Unterkunft. Auf der Internetseite gibt es aktuelle Infos über Busse und Bergbahnen.

Anreise: Von Nürnberg mit dem Auto über die A9 in etwa 4,5 Stunden ins Pitztal, etwa 350 Kilometer. Mit der Bahn über München, Innsbruck, Bahnhof Pitztal und weiter mit dem Postbus 4204.

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