Gipfelnacht unter Sternen im Allgäu

Bergtouren, Deutschland, Tipps und Inspiration, Touren-Archiv, Wandern

Breitenstein

Habt ihr schon mal auf einem Berggipfel unter freiem Himmel übernachtet? Das ist Abenteuer pur und der Sonnenaufgang am Morgen unbeschreiblich schön. Ich habe meinen Schlafsack in Begleitung eines Bergführers auf Breitenberg im Allgäu ausgerollt.

Der Rucksack ragt über meine Kopf hinaus: Ich schleppe einen dicken Schlafsack, warme Klamotten, Stirnlampe, eine Thermoskanne Tee und zwei Isomatten von der Bergstation der Seilbahn eine gute Stunde zum Gipfel des Breitenbergs in Pfronten im Allgäu.

Exklusives Erlebnis

Normalerweise darf man auf dort und auch andernorts in Deutschland nicht einfach wild campieren. Am Breitenberg ist das ausnahmsweise und mit Begleitung eines örtlichen Bergführers möglich. Auf Einladung von Pfronten-Tourismus bin ich mit Reiner „Reini“ Blöchl unterwegs. Er stellt den Großteil der Ausrüstung und kennt die Allgäuer Bergwelt wie kaum ein anderer.

Breitenstein

Weil es an einem Herbsttag im Jahr 2021 schon ziemlich kalt und windig ist, steuern wir erst einmal die gemütliche Ostlerhütte an. Bei einer großen Portion Käsespätzle löchere ich Reini zu schönen Wanderwegen und der Tier- und Pflanzenwelt auf dem mit knapp 2000 Metern höchsten Berg bei Pfronten.

Kurz vor Dämmerung rollen wir unsere Matten und Schlafsäcke auf einem Plateau in Hütten- und Gipfelnähe aus und machen noch einen Erkundungsspaziergang. Die vielen Ausflügler, die tagsüber auf dem breiten Gipfelgrat unterwegs sind, sind schon lange wieder im Tal. Dafür trauen sich nun die tierischen Bewohner aus der Deckung: Auf einer Wiese, auf der der Bergführer im Winter mit Gästen Iglus baut und dort übernachtet, schauen Murmeltiere kurz aus ihrem Bau und trollen sich schnell wieder.

Ein paar Meter weiter, in einem Waldstück, flattert plötzlich ein großer Rauhfuß-Hahn davon. Auch eine Gams mit ihrem Kitz ist argwöhnisch: Von einem Felsvorsprung aus beobachtet das Muttertier die Zweibeiner und warnt ihre Artgenossen mit einem durchdringenden Pfiff.

Liebestolle Hirsche

Dann wird es dunkel und wir krabbeln in die Schlafsäcke. Weil es etwas nieselt, decken wir uns zusätzlich mit einer Plane zu und lauschen den Geräuschen: Aus dem Tal hört man den Pfiff eines Zuges, in den Latschen um uns herum raschelt es, in der Ferne hört man das Röhren einiger liebestoller Hirsche.

Schaut nicht gemütlich aus – ist es aber: Im Thermoschlafsack erträgt man auch eine nasskalte Herbstnacht.

Irgendwann reißt die Wolkendecke auf: Unzählige Sterne funkeln am Nachthimmel. Der nahe Aggenstein und die Thannheimer Berge werden von bläulichem Licht dramatisch in Szene gesetzt. Mit klammen Fingern ziehe ich die Kamera aus dem Rucksack und versuche die Stimmung im Bild festzuhalten. Bald krieche ich aber in den kuscheligen Schlafsack zurück und schlafe dann auch schnell ein.

Atemberaubender Ausblick

Am Morgen, im ersten Dämmerlicht, wache ich überraschend ausgeruht auf. Der Ausblick ist jetzt atemberaubend: Die Täler sind mit Wolken gefüllt, nur die Bergspitzen schauen aus dem watteweißen Meer hervor und werden von den ersten Sonnenstrahlen angeleuchtet.

Ausklang auf der Ostlerhütte

Man kann sich kaum sattsehen. Leider ist es so kalt, dass es mich bald in die gemütliche Schutzhütte zieht. Bei Kaffee und einem ausgiebigen Frühstück klingt das Abenteuer entspannt aus.

Biwak in Franken und anderswo

Ich habe in meiner Jugend mit meinen Eltern sowie in Zeiten des Corona-Lockdowns auch alleine schon häufiger in Höhlen oder auf Burgruinen in meiner fränkischen Heimat übernachtet. Der Weitblick und die Stimmung in den Bergen und die fachkundige Führung durch Bergführer Reini Blöchl war aber auf jeden Fall noch einmal eine ganz andere Erfahrung.

Müll mitnehmen!

In Franken sind viele schöne Übernachtungsplätze mittlerweile leider gesperrt. Kein Wunder: Manche Menschen lassen überall ihren Dreck liegen, machen Krach oder schüren in trockenen Sommern Feuer. Ein Negativbeispiel ist die Höhle Sonnenuhr im Veldensteiner Forst. Zum Glück gibt es noch versteckte und abgelegene Plätze – und die hinterlasse ich mindestens so sauber, wie ich sie vorgefunden habe. Ansonsten breche ich mir auch nichts ab, wenn ich eine Müsliriegelverpackung oder eine Flasche von anderen wegräume.

Wichtig zu wissen

Die „Nacht unter Sternen“ und andere außergewöhnliche Übernachtungserlebnisse im Allgäu – zum Beispiel im Portaledge in einer Felswand –  kann man über die Internetseite   von Pfronten-Tourismus oder im Büro der Touristeninformation (Telefon: 08363/698-88) buchen. Kosten: zirka 250 Euro mit Abendessen und Frühstück in der Ostlerhütte.

Teile diesen Beitrag

Ähnliche Artikel

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Bitte füllen Sie dieses Feld aus.
Bitte füllen Sie dieses Feld aus.
Bitte gib eine gültige E-Mail-Adresse ein.
Sie müssen den Bedingungen zustimmen, um fortzufahren.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

Menü